Panorama vom Sella-Pass aus gesehen

Samstag, 22.6., 8:00

Frank (war mit schwarzem ES1-Gespann mit TS-Motor in Elbrinxen) mit VX800 und meinereiner mit W650 brechen auf. In Greven direkt auf die Dosenbahn. Tempo 130, Tanken alle 200km da der Tank der W650 nur 15 Liter fasst, nach 200km muss ich auf Reserve. A1 bis Westhofener Kreuz, A45 bis SeligenstädterDreieck, A3 bis Kreuz Bibelried, dann A7, Abfahrt von der Dosenbahn in Oy, mehr als 700 langweilige km abgerissen. Kaum Verkehr, gutes Wetter, Tempo immer zwischen 130 und 140km/h.

Im Allgäu wirds schon interessanter, man kann die Berge sehen! Wir fahren über Oberjoch ins Tannheimer Tal, über den Gaicht-Pass (langsam beginnt der Spass), nicht in Richtung Reute wie alle anderen, sondern am Lech entlang bis Elmen. Jetzt links ab, übers Hanhntenn-Joch nach Imst. Wir stellen fest, dass keiner von uns einen Fotoapparat mitgenommen hat: "Ich dachte, Du hast bestimmt einen mit..." 1. Übernachtung in einer Pension, 27,- Teuros inkl. ziemlich mickrigem Frühstück. Nächstes Jahr suchen wir uns was anderes...

Sonntag, 23.6.

Von Imst kurzes Stück Richtung Landeck, dann links ab Richtung Timmelsjoch, (Mitte Juni ist es in jedem Fall geöffnet). In den Kehren zerrt das Gepäck, insbesondere der Tankrucksack doch ganz ordentlich an der Fuhreund ich fahre erstmal etwas verhaltener. Wir wollen nach Kaltern, da haben wir auch im letzten Jahr Quartier bezogen. Da es erst kurz nach Mittag ist,als wir in St. Leonhard ankommen, entscheiden wir uns für einen Abstecher über den Jaufenpass, das Penser Joch und durch das Sarntal nach Bozen. Manchmal erweisen sich solche spontanen Entscheidungen als Glücksgriff. Sowohl das Penser Joch als auch die Fahrt durchs wildromantische Sarntal erweisen sich als äußerst lohnenswert. Gegen16:00 sind wir in Kaltern und beziehen unser Zimmer. Letztes Jahr kostete die Ü/F ca. 36,- DM. dieses Jahr 20 Teuros. Auch in Italien ist alles teurer geworden, erklärt und Frau Wohlgemuth, die immer freundliche Pensionswirtin, bei der wir auch letztes Jahr übernachtet haben. Die Zimmer sind zwar einfach, die Toillette teilen sich die Bewohner der drei Zimmer, aber die Lage ist Klasse und dasFrühstück auf der Terrasse mit Blick auf die Dolomiten im Hintergrund ist hervorragend, reichlich und abwechslungsreich. Eine schlechte Nachricht hat Frau Wohlgemuth für uns: Unsere Lieblingspizzeria, die Pizza Gams um die Ecke hat Betriebsferien. Schade, auf die Pizza und den Hauswein (natürlich klassischer Kalterer See) hatte ich mich schon das ganze Jahr gefreut. Also Abendessen in der Pizzeria Bärental. Hier gibt's den gleichen Hauswein wie bei Gams und die Pizza ist auch wirklich gut!

Blick von der Strasse oberhalb von Auer ins Etschtal

Die Bilder sind 2001 enstanden, da wir - wie schon erwähnt - in 2002 keine Kamera dabei hatten.

Eingescannt mit einem Microtec FilmScan35.

 

Montag, 24.6.

"Wo wollt Ihr denn frühstücken? Drinnen, oder auf der Terasse?" fragt Frau Wohlgemuth. Wir schauen zum Himmel, schwarze Wolken ziehen über den Mendelpass - sozusagen unseren "Hauspass", gleich nebenan - heran. "Lohnt sich das noch, nach draussen zu gehen?" fragen wir. Nachdem wir die Antwort bekamen: "das wird schon nichts geben", setzen wir uns raus und ziehen nach 5 Minuten wegen einsetzendem Regen doch in die Küche/Frühstückszimmer um. Nach einem ausgedehnten Frühstück hat es aufgehört zu regnen und wir entscheiden uns für heute für eine Ausfahrt zum Gardasee/Idrosee. Wir vermuten dort - weiter im Süden - das bessere Wetter. Also den Mendelpass hoch, wegen der noch nassen Strasse besonders vorsichtig, über Fondo inRichtung Mezzolombardo. Irgendwo hinter Fondo wird die Strasse trocken, und wir sehen, dass die gewählte Richtung wettermäßig die richtige Wahl war. Irgendwo zwischen Fondo und Mezzolombardo ist anhalten angesagt um die Jeans unter der Textilhose und das Sweatshirt auszuziehen. Ab hier bemerke ich ein seltsames Geräusch beim Gaswegnehmen, wie ich meine vor allem in Rechtskurven. Es scheint immer lauter zu werden, wie ein Schleifen. Zuerst habe ich die Bremse vorne in Verdacht, schließlich verwindet sich bei meinem MZ-Gespann die Gabel in Kurven auch derart, dass die Bremse schleift. Als es mir endgültig auf den Geist geht, halten wir im Schatten eines Hauses an. Nach kurzer Dursicht ist ziemlich schnell die Kette, die sich offensichtlich gelängt hat als Übeltäter entlarvt, beim Gaswegnehmen hängt sie so weitdurch, dass sie auf der Schwinge schleift. Also Werkzeug auspacken und Kettespannen. Jetzt aber weiter zum Gardasee. Bei Riva schraubt sich die Strassein vielen Kehren zum See-Niveau hinab. Die West-Seite vom Gardasee ist recht spektakulär. Im Grunde grenzt der See direkt an eine schroffe Felswand, die sich in den Himmel reckt. Nur an wenigen Stellen des Westufers ist Platz genug für eine kleine Ortschaft, wie zum Beispiel Limone. Die Strasse führt deshalb zu grossen Teilen durch Tunnel, die zum Teil zum See hindurchbrochen sind.

Vom Gardasee zum Idro-See.

In Gargnano gehts rechts ab zum Idro-See. Eine wirklich grossartige Strasse in einer grossartigen Landschaft. Hier geht es keine zwanzig Meter geradeaus. Die Strasse schlängelt sich an der Felswand entlang und man braucht nur den ersten und zweiten Gang. Kurz vor Idro, da wo die Strasse zum See hinabführt, kehren wir in dem holländischen Kaffee ein. Im Gegensatz zum letzten Jahr, wo es vor Motorradfahrern wimmelte, waren wirdie einzigen Gäste. Zum Capucino ein leckeres Stück Apfelkuchen. Beim Kaffee werfen wir einen Blick in die Karte. Mir fällt auf, dass es ausser der Standardstrecke über Bagolino noch eine weiteren Pass gibt, der in Anfo abzweigt. Auf der Generalkarte allerdings als Nebenstrecke eingezeichnet. Wir fragen den Wirt, ob der Pass befahrbar ist. Klar, meint er, oben wäre zwar ein kuzes Stück Schotterweg, aber mit dem Motorrad kein Problem. Also entschließen wir uns, über den Passo della Spina, den Manivaüber Goletto delle Crocette und Giogo della Bala zum Passo di Croce Domini zu fahren. Diese Höhen liegen alle bei über 2000 Meter nah beieinander und laut Karte führt die Staatstrada 345 darüber.

Schotterpisten am Idro-See.

In Anfo biegen wir also links ab und erklimmen den Passo della Spina. Die gut befahrbare Strasse ist sofort sehrschmal (2-3m) und windet sich in extrem engen Kehren, die nur im Schritttempo zu durchfahren sind, den Berg hinauf. Auf ca. 1300m Höhe erkennen wir den Grund dafür, dass der Strassenzustand so gut ist, es gibt hier ein Ausflugslokal. Aber ab jetzt wird die Strasse von Meter zu Meter schlechter. Schlaglöcher, die einen Durchmesser von 3/4 der Strasse haben und 20 Zentimeter tief sind, müssen um- oder durchfahren werden. Die Leitplanken an der Talseite fehlen jetzt auch. Da ich zumindest ein wenig anHöhenangst leide, finde ich das nicht wirklich lustig. Aber wir fahren weiter, jetzt beginnt die angekündigte Schotterpiste. Allerdings nicht feiner Schotter wie versprochen, sondern auch mehr als faustgrosse Brocken. Breiter wird die Strasse auch nicht und dass auch hier keine Seitenbegrenzung mehr existiert, brauch ich sicher nicht erwähnen. Nacheiner von vielen engen (Schritttempo ist mittlerweile Pflicht) Kurven das Aus! Wir stehen vor einer Felswand, in der zwar ein Loch ist, aber nach einem Tunnel sieht das nicht wirklich aus. Bei näherer Betrachtung erweist sich das Loch aber doch als ein zum kleinen Teil verschütteter Tunneleingang und wir beschließen, weiterzufahren. Das Gewitter das hinter uns aufzieht, erleichtert uns die Entscheidung, nicht umzukehren. Der Tunnel (ca. 150m) ist recht gut befahrbar und wir kommen auch heile wieder raus. Nach dem Überqueren der Paßhöhe sehen wir bereits den Maniva-Pass. Man kann erkennen, dass es wieder eine Teer-Strasse gibt. Allerdings stellt sich bei derAnkunft heraus, dass die Strasse, die wir Richtung Passo di Croce Dominifahren wollen, gesperrt ist. Wir fragen einen alten Italiener (wir versuchen uns mit Händen und Füssen zu verständigen), ob man trotzdem durchfahren kann. Da wir aber beide des Italienischen nicht mächtig sind, werden wir nicht schlau daraus, was er uns erklärt. Da es ansonsten nur die Möglichkeitgibt, zurück bergab über den Schotterpass ins Gewitter zu fahren, oder 100kmUmweg zu fahren, entscheiden wir uns, erstmal ein Stück der gesperrten Strasse zu folgen. Wir hoffen, dass es lediglich eine Baustelle ist, wo wir uns mit den Motorrädern irgendwie durchquetschen können. Auf dem Golettodelle Crocette angekommen, erkennen wir den Grund für die breite Strasse: Zwei riesigeAntennen-Schüsseln stehen auf der Bergspitze. Die zweite Überraschung ist, dass die SS345 ab hier nur noch eine Schotterpiste, die bei uns nicht mal als Feldweg dienen würde, ist. Mehrere Gesperrt-Schilder weisen offensichtlich daraufhin, dass von der Benutzung abgeraten wird. Diskussion zwischen Frank und mir. Ich vertrete den Standpunkt, wenn die Italiener eine Strasse tatsächlich sperren, wird diese wahrscheinlich wirklich nicht befahrbar sein, schließlich war die gerade von uns befahrene Passstrasse nicht gesperrt, und mein Bedarf an Abenteuer eigentlich gedeckt. Mitten in der Diskussion merken wir, dass ein Jeep um die Ecke kommt, aus der gerade diskutierten Passstrasse. Wieder versuchen wir mangels Italienisch-Kenntnissen mittels Gebärdensprache etwas über die Befahrbarkeither auszufinden. Der Fahrer und sein Begleiterin waren offensichtlich der Meinung, wenn sie doch mit dem Auto da durch kommen würden, ginge das doch mit einem Motorrad in jedem Fall. Wir machen uns also auf die 9 km lange Strecke. Es stellt sich heraus, dass es nicht schlimmer als das vorherige(nicht gesperrte!) Stück ist, im Gegenteil, da das Gelände nicht ganz so schroff abfällt wie vorhin kommt sogar richtig Fahrspaß auf. Eigentlich erstaunlich, wie gut sich eine W650 in so unwegsamen Gelände bewegen läßt. Frank hat es mit seiner VX800 schon schwerer. Ein Motorradtester hat maleine Vergleich mit einem Betonmischer, was die Handlichkeit angeht, angestellt... Am Passo di Croce Domini haben wir die staunenden Blicke zweier BMW-GS-Fahrer, die sich auf der Terasse der Hütte gerade ein Wasser reinschütten, auf unserer Seite. Nach einem Blick in die Richtung aus derwir gekommen sind, sehen wir die Erklärung. Auf dieser Seite stehen mindesetns drei Durchfahrt verboten Schilder und eine Absperrung, die aber dezent etwas zur Seite geschoben wurde. Offensichtlich ermuntert dadurch, dass wir mit Strassenmaschinen da durchgekommen sind, machen sich die beiden GS-Fahrer mitsamt ihren Sozias auf den Weg den wir gekommen sind. Nun nur noch den Passo hinunter Richtung Breno und über Passo Tonale und Mendelpassnoch150km zurück nach Kaltern. Angesichts der fortgeschrittenen Zeit essen wir unterwegs mangels bereits erwähnter Sprachbarrieren eine Überraschungspizza. Schmeckt aber lecker und war auch nicht zu teuer.

Auf dem Gardasee, Blick auf Limone

Auf dem Gardasee, Blick auf den Felsen von Riva

 

 

 

 

Dienstag, 25.6.

Super Wetter! Nach dem, wie bereit erwähnt, reichlichen Frühstück muss ich erstmal wieder die Kette spannen, scheinbar hat sie bei 20000 km ihre Lebenserwartung nahezu erreicht. Leider läuft sie nicht wie bei einer MZ in einem Kettenkasten (das war jetzt das zweite Mal MZ! Ich hoffe Dinant bemerkt es.) und im letzten Jahr habe ich die Pflege ein wenig vernachlässigt. Wir entscheiden uns heute für einen Abstecher Richtung Sella-Gruppe um die Pflicht-Sella-Runde zu absolvieren. Wir wollen abernicht einfach den direkten Weg über Predazzo und Moena nehmen, dies ist nämlich ziemlich langweilig, sondern schlagen nachdem wir in Auer hochgefahren sind, den Weg über Deutschnofen und Welschnofen ein. Kurz hinter dem Karerpass - diesmal kein Halt am recht sehenswerten Karersee -geht's links ab über den Nigerpass und das Tierser Tal. Eine landschaftlich sehr reizvolle Strecke, natürlich mit jeder Menge Kurven, die hoch am Talrand verläuft, so dass man immer einen schönen Blick ins Tal und die angrenzenden Berge hat. Wir fahren über Völs und Kastelruth nach Selva Wolkenstein. Zur Mittagsrast machen wir irgendwo auf der Strecke einen Abstecher in eine schmale Strasse den Berg hinauf. In einer Kehre steht am Wegesrand eine Bank neben einem Bildstock. Hier hat man eine tollen Blick und wir verzehren unsere kleine mitgebrachte Mahlzeit. Mittags machen wir immer nur eine solch kleine Rast, um nicht unnötig Zeit mit Nahrungsaufnahme zu verschwenden, dazu ist abends die richtige Zeit. Von Selva Wolkenstein aus fahren wir weiter Richtung Sellajoch, biegen aber vorher links ab Richtung Grödner Joch. Auf der Paßhöhe der tolle Blick auf die Sella-Gruppe vom Norden. Jetzt das Grödner-Joch wieder herunter, unten fängt es leicht zu regnen an, deshalb entscheiden wir uns für einen kleinen Cappucino. Nach dem Schauer über den Passo di Campolongo um die Sella-Gruppe von Osten zu sehen, dann das Pordoijoch in schönen Kehren rauf. Jetzt ist die Sella-Gruppe vom Süden zu sehen. Aufgrund immer dichter werdender Wolken stellt sich dieFrage, ob wir die Runde vervollständigen und das Sellajoch noch hochfahren (Blick auf Sella-Massiv von...? Was fehlt noch? Natürlich von Westen). Am Abzweig angekommen entscheiden wir uns, hochzufahren und notfalls umzukehren. Viel schneller als wir es vom letzten Jahr in Erinnerung hatten haben wir die Kehren durchfahren uns sind oben. Da wir nicht den gleichen Weg über Selva Wolkenstein zurückfahren wollen, kehren wir um und fahren das Sellajoch zurück Richtung Canazei. Jetzt merken wir auch, warum uns die Auffahrt vorhin so kurz vorkam. Der Abzweig vom Pordoi kommend liegt bereits relativ hoch, jetzt haben wir von dort noch eine schöne Abfahrt durch vieleKehren bis Canazei. In Poza rechts ab über den Karerpass und nach Welschnofen geht's links ab über den Passo di Lavazze bis Cavalese. Hiershen wir, dass wir mitten in die schönsten Gewitterwolken hineinfahren. Kurzvor Auer erwischt es uns so richtig. Die Abfahrt ins Etschtal durchströmenden Regen und zuckende Blitze sehr verhalten mit gehörigem Respektvor rutschige Strassen.

In unsere Pension in Kaltern angekommen müssen wir erstmal unsere Sachenunter der Remise, wo wir auch immer unsere Motorräder in einemabgeschlossenen Hof abstellen können, aufhängen. Außerdem ist natürlich wieder Kette spannen angesagt. Abends gehen wir hinunter ins Dorf und entscheiden uns nach längerem Suchen für ein Restaurant am Markt, die Lasagne und der Tomatensalat sind eher durchschnittlich, da muss man nicht hingehen...

Bei der abendlichen Reflektion über den Tag kommen wir gemeinsam zu derErkenntnis, dass uns die einsamen Pässe am vorherigen Tag in der Nähe desIdro-Sees um vieles besser gefallen als die bekannten und von Motorradfahrern wie wir und Radfahrern! überschwemmten Pässe, die wir heute gefahren sind.

Am Sellapass

Mittwoch, 26.6.

Same procedure as every day...

Heute wollen wir Richtung Westen auf den Gavia-Pass und das Stilfser Joch. Diese beiden Pässe waren wie auch das Timmelsjoch im letzten Jahr, wo wir zwei Wochen eher in Kaltern waren, noch geschlossen. Wir machen uns auf die relativ lange Anfahrt über Fondo, Male und den wenig spektakulären Passo Tonale. Hier kann man übrigens sehr schön die Bausünden der Ski-Tourismus-Industrie "bewundern", Ätzfaktor 8. In Zoanno geht's rechts ab zum Gavia-Paß. Zu Anfang wie einer der gestern befahrenen Pässe, aber dann die Überraschung. Die Strasse wird sehr schmal, wenig Verkehr und ein grandioses Panorama, dies könnte einer unser Lieblingspässe werden. Leider ist die Passhöhe auf über 2600m noch von Wolken umhüllt, also nix mehr mitAussicht. Wir machen uns an die Abfahrt nach Bormio, hier ist die Strassebreiter ausgebaut, wir haben den Pass also in der Richtung überquert. Auf der Abfahrt fällt mir ein Wohnmobil auf, ich würde gerne sehen, wie der auf der anderen Seite runterkommt...

In Bormio beginnt gleich die Auffahrt zum Stilfser Joch. Das Panorama, vor allem der Blick auf den fast 4000m hohen Ortler, kann sich sehen lassen, nach dem Durchfahren einer Hochebene geht es durch eine Menge Kehren die breit ausgebaute Strasse hinauf. Bereits in der Hochebene schwant mir Übles. Die Paßhöhe scheint genug Platz für diverse Hotelbauten zu bieten. Oben angekommen trauen wir unseren Augen und Ohren nicht. Neben den bereits von unten zu sehenden Hotels gibt es etliche Andenkenläden, Würstel-Stände und von einem Restaurant über Außenlautsprecher eine Beschallung mit gräßlichem Apres-Ski-Mix-Sound in reichlicher Lautstärke. Wie eine Katzenkirmes und dasin dieser wunderschönen Landschaft: Ätzfaktor 10. Wir machen uns deshalb schnell auf die Abfahrt, die sich als durchaus anspruchsvoll und interessant erweist. Der Honda-VFR Fahrer, der auf einer Geraden sehr zügig zu unsaufschließt scheint so seine Probleme zu haben mit seinem Wetzhobel um die engen Kehren zu kommen und bleibt die ganze Zeit brav hinter uns. In Pratogibt's den obligatorischen Nachmittags-Capuccino und ausnahmsweise ein Eis. Wir sind jetzt im Etschtal, im sogenannten Winschgau. Dies ist die Hauptverbindung von Österreich über den Reschenpass nach Meran und es hat ensprechend dichten Verkehr. Wir entscheiden uns, noch einen kurzen Abstecher ins Schnalstal zu machen, müssen aber bis nach 17:00 warten, da die Strasse bis zu dieser Uhrzeit wegen Bauarbeiten geschlossen ist. Auf der Kartefinden wir einen Wasserfall bei Partschins, den wollen wir uns in der Zwischenzeit anschauen. Es geht über Strässchen mit bis zu 25% Steigung den Berg hinauf. Jede Menge Wanderer sind hier unterwegs. Auf einem Parkplatz weit unterhalb des Wasserfalls müssen wir die Motorräder abstellen, weil die Duchfahrt nur noch für Anlieger frei ist und wir es uns nicht mit den Wanderern verderben wollen. Zu Fuß gehen wir noch ein Stück den Berg hinauf, doch wir erkennen dass wir für eine Bergwanderung nicht richtig gekleidet sind und geniessen den Blick auf den Wasserfall von einer Bank. Nach einer Rast mache wir uns auf den Weg ins Schnalstal. Die Sperren sind beiseitegeräumt und wir fahren in den Einschnitt zwischen Saldurkamm und der Texelgruppe ein. Die Strasse klebt an einer Felswand und unten tobt der Schnalser Bach. Nach einigen Kilometern wird das Tal weiter und wir fahren ständig bergauf am Vernagt-Stausee bis Kurzras. Hier muss es früher einen einsamen Berggasthof gegeben haben, jetzt ist das ganze zu einem Sporthotel ausgebaut und man kann mit der Seilbahn hinauf zum Gletscher um auch im Sommer Ski zu fahren. Wir kehren um (das Schnalstal ist, zumindest für Fahrzeuge, eine Sackgasse) und fahren von über 2000m Höhe, die wir durch dasTal hochgekommen sind, zurück ins Etschtal. In Meran entscheiden wir uns,den Rückweg nach Kaltern über das Gampen-Joch und den Mendelpaß anzutreten,anstatt dem Tal zu folgen. Abendessen wieder in der Bärental-Pizzeria. FrauWohlgemuth gibt uns die aktuelle Wetterprognose durch: morgen nochmal schönes Wetter und Freitag Regen. Wir haken nach und bekommen zur Antwort,es würde tatsächlich Regen geben, keine Schauer.

Donnerstag, 27.6.

Nach dem Frühstück diskutieren wir das weitere Vorgehen. Angesichts der Wetteraussichten und der Erfahrungen aus dem letzten Jahr (Regen, und zwar kübelweise, von Würzburg bis Meran) entscheiden wir uns, bereits heute den Rückweg anzutreten. Wir packen, bezahlen die Zeche, ich nehme noch zweiFlaschen von Wohlgemuths eigenem Rotwein mit, und staten den Rückweg. Da wirbereits auf der Hinfahrt übers Timmelsjoch die Rückfahrt mitbezahlt haben (einfache Fahrt 6,- Euro, Hin- und zurück 7,50 Euro), auf österreicher Seite selbstredend, nehmen wir den gleiche Weg wie auf der Hinfahrt. Kaltern, Meran, Dorf Tirol, Timmelsjoch, Sölden, Ötztal, Imst, Hahntennjoch, Tannheimer Tal, Gaicht-Pass, in Oy auf die Dosenbahn. Jetzt mit Tempo 160-170 die Bahn entlang. Wir hatten eine Übernachtung in Feuchtwangeneingeplant, aber angesichts des guten Vorankommens fahren wir bis hinter Würzburg um bei Franks Verwandschaft im Spessart zu übernachten.

Freitag, 28.6.

Rückfahrt nach Greven Etwas Regen bei Meinerzhagen und kurz vor Münster.

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©JM