Die Luxus 500, die anfangs auch mit thermischen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, fiel leider durch einen Sturz Kirchbergs am fünften Tag aus! Dieses hubraumstärkste, 14 PS leistendes Luxusmodell war mit einem Preis von 1095 RM eine relativ preiswerte 500er. In puncto Aussehen machte sie mit ihrem Blockmotor, dem formschönen Satteltank und der mehrfarbigen Lackierung ihrer Marke alle

Abbildung einer Sport 5OO, die wassergekühlte Nachfolgerin der Luxus 500, aus dem Übersichts- prospekt der Aus- laufmodelle von 1932.

Ehre. In technischer Hinsicht aber war sie wie ihre Vorgängerin, Z 500, infolge der mangelhaften Wärmeabführung von den Zylindern ein Sorgenkind. Für den kompakten Zylinderblock und die Nasenkolben reichte die Fahrtwindkühlung nicht aus. Auch durch die unter der Bezeichnung »Gasstromventilation« bei den 300ern und 500ern angewendete Zwangsführung des Frischgases unter dem heißen Kolbenboden hindurch konnte hier keine Lösung des Problems erzielt werden. So baute man später einige solcher Maschinen mit Wasserkühlung, so daß aus der ZB, wie die technische Bezeichnung der Luxus 500 lautete, die ZBW 500 (Zweizylinder-Blockgetriebe-Wasserkühlung) wurde. Diese Maschinen wurden dann unter der Handelsbezeichnung Sport 500 angeboten. Der Unterschied zum Antriebsaggregat der Super-sport bestand bei der Sport in der geringeren Verdichtung des Motors, dessen Verdichtungsraum 54 cm3 und der der Supersport 50 cm3 betrug. Eigenartigerweise wird aber in den damaligen Veröffentlichungen für beide Typen die gleiche Leistung angegeben. Für Kunden, deren ZB-Motor sich besonders anfällig erwies, gab es ebenfalls den Weg der Umrüstung zur ZBW.

Restaurierte Spezial 200 aus der Sammlung von Dr. Ove Rasmussen.

Obwohl im Lieferprogramm von 1929 schon zwei Modelle mit 200 cm3-Motor enthalten waren, wurde Mitte des Jahres unter dem Slogan: »DKW-Spezial 200, das preiswerte Steuer- und führerscheinfreie Dreiganggetriebe« noch eine weitere 200er angeboten. Mit dieser Maschine hatte es aber eine besondere Bewandtnis: J. S. Rasmussen hatte Aktien des Chemnitzer Motorradherstellers Schüttoff erworben. 1930 übernahm er dessen Motorradfabrikation ganz. Während der Auto-Union-Zeit wurden dann in den Räumen der ehemaligen Schüttoff-Motorradf

 Kopf des Vorstellungsberichtes über die L2OO in der Zeitschrift »Motor und Sport«

ertigung dieElektroanlagen für DKW produziert. Da Schüttoff auf Viertaktmaschinen ab 350 cm3 spezialisiert gewesen war, ist die oben genannte 200er seit Ende 1928 als steuerfreie Schüttoff vom Typ L 200 verkauft worden. An dem für Schüttoff typisch rotbraun lackiertem Tank und den Werkzeugkästen war der Schriftzug der Chemnitzer Firma angebracht. Sicherlich aus verkaufsstrategischen Gesichtspunkten - es gab ja schon damals Fahrzeugkäufer, die auf ein bestimmtes Fabrikat eingeschworen waren - bot man die Maschine nun auch

 
Z 200 (ZiS) im Schaufenster eines DKW-Händlers.

unter der Marke DKW an. Als solche war sie schwarz lackiert und mit rotem Tank versehen worden. Sie wies im Gegensatz zu den Luxus-Modellen einen Rohrrahmen auf. In den überlieferten Werksunterlagen wurde nicht erfaßt, wieviele Maschinen man als DKW und wieviele man als Schüttoff verkauft hat. Es gibt auch nur eine Ersatzteilliste, die Nr. 11, die auf dem Umschlag die Bezeichnung Spezial 200 trägt, und auf den abgebildeten Teilen sind die Schriftzüge »Schüttoff« zu sehen. Ein weiteres, etwas absonderliches Motorradprodukt der Zschopauer war das sogenannte Volksrad, das man mit der Absicht in die Produktion nahm, auch Motorradinteressenten, die den Preis der Luxus 200 nicht aufbringen konnten, in die DKW-Kundschaft einreihen zu können.

Es war zwar die billigste Maschine von DKW, aber ein »Volksmotorrad«, wie der Name verhieß, ist sie trotzdem nicht geworden.

Diese Maschine mit dem prinzipell gleichen Motor wie das bisher billigste Modell mit 198cm3 (jetzt lediglich ohne Schaltgetriebe) kostete 485 RM. Rahmen und Gabel waren in gleicher Preßstahlbauweise hergestellt, wie die der teureren Modelle. Auf Gepäckträger, Luftfilter, Len-kungs- und Stoßdämpfer sowie Kickstarter mußte der Käufer bei dieser Preisklasse verzichten. Im Herbst 1929 wertete man das Billigmodell etwas auf durch die Verwendung eines Zweiganggetriebes und eines Framo-Zweihebelvergasers. Es wurde nun zum Preis von 545 RM unter der Bezeichnung ZIS angeboten.

 

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©JM